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Zarenresidenz: Lomonossow (Oranienbaum)

Schloss von Lomonossow

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde aus den deutschen Ortsnamen Oranienbaum, den der Ort seit seiner Gründung getragen hatte, schließlich Lomonossow. Seit aus Leningrad wieder Sankt Petersburg geworden ist, trägt Lomonossow seinen deutschen Namen auch im Untertitel. Im Wappen führt die Stadt einen Orangenbaum. Die einstige Zarenresidenz sowie der Vorort Sankt-Petersburgs trägt den Namen Russlands größtem Gelehrten Michail Lomonossow. In der Nähe des heutigen Lomonossow gründete er damals ein Farbglaswerk, die heute in Sankt Petersburg seinen Namen trägt und die berühmteste Russlands ist.

Menschikow Palast

Die zahlreichen Paläste und Parks von Oranienbaum dienten bis 1917 als Sommerresidenzen der königlichen Familie und des Adels. Oranienbaum entstand 1710 mit der Errichtung des Palastes und Parkkomplexes für Herzog Alexander Menschikow, einen engen Freund und Berater Peters des Großen und ersten Gouverneur von Sankt Petersburg. Nach der Verbannung des Herzogs beschlagnahmte Elisabeth I. seinen Besitz und schenkte es ihrem Neffen, dem späterem Peter III., der Oranienbaum liebte und sich hier weit häufiger aufhielt, als in Peterhof oder Sankt-Petersburg.

Palast des Zaren Peter III. Palast des Zaren Peter III.

Nach seinem Tod fand auch seine Frau und Russlands Zarin Katharina II. ebenfalls Gefallen an Oranienbaum und ließ die Sommerresidenz ausbauen. Katharina II. (die Große), die aus Deutschland stammte beauftragte den Architekten Antonio Rinaldi mit dem Bau des Chinesischen Palastes.

Chinesischer Palast

Das Innere des elegante und romantischen Rokoko-Palastes ist von ausgesuchter Schönheit und mit prachtvollen Materialien wie Edelholz, Porzellan, Seide, zahlreichen Vergoldungen und Lackmalereien ausgestattet. Das fernöstliche Flair ist hier deutlich zu spüren. Das Palastgebäude bietet eine sehr seltene Sammlung handwerklicher Kunst des 18. Jahrhunderts, darunter russisches und Meißner Porzellan, erlesenes Mobiliar und Emaillearbeiten.

Saal im Chinesischen Palast  Saal Schlafzimmer - Chinesischer Palast              

Auch der der Palast am Rutschberg ist eine der größten Attraktionen Lomonossows den ebenfalls Katharina II in Auftrag gegeben hatte. Der in blauweiß gehaltene großzügige Rokokobau, der auch von Rinaldi errichtet wurde verbreitet einen Hauch verspielter Romantik.

Palast am Rutschberg

Denn von einem künstlichen aufgeschütteten Hügel an der Rückseite des Palastes aus führten einst 500 Meter lange Schlittenbahnen in den Park. Es wurde zu einem Vergnügungsort des verspielten russischen Adels. 1813 stützte die aus Holz gebaute Abfahrtsbahn leider ab. Der Hügel ist heute abgetragen. Im Palast kann ein Modell davon besichtigt werden.

Garten

 

Vorort Lomonossow

Katharina die Große holte zahlreiche Deutsche, auch aus Hessen, in ihr neues Heimatland. Sie wurden zunächst in Oranienbaum in Kasernen untergebracht und dann auf ganz Russland verteilt. Einige durften im Sankt Petersburger Gebiet bleiben. Nach der Entstehung der Residenz und Gründung Lomonossows Farbglaswerk siedelten sich unweit der Residenz hier allmählich Menschen an. Berühmtester Sohn der Stadt ist der Komponist Igor Strawinsky. Berühmte Künstler, Schriftsteller und Komponisten wie Nekrasow, Schischkin und Mussorgski wohnten und arbeiteten hier. Häufige Besucher waren Djuma, Puschkin, Saltikow-Schedrin und Turgenjew. Im Zweiten Weltkrieg wurde Lomonossow von den sowjetischen Truppen gegen die deutschen gehalten. Dadurch blieben die zahlreichen Kunstschätze der Stadt vor der Zerstörung weitgehend bewahrt. Zur Zeit wird überall restauriert.

Nach dem Kriege war Lomonossow durch seine maritimen Militäranlagen bis zur Perestroika von der Außenwelt abgeschnitten. Heute ist von Militär wenig zu sehen, dafür aber gibt es ein pulsierendes Zivilleben. Rund 500 Kleinbetriebe und einige wenige größere haben sich angesiedelt. Die Bürger hungern nach Kontakten zur Außenwelt. Lomonossow unterhält offizielle Partnerschaften mit zwei amerikanischen Städten und einer finnischen Stadt. Das besondere Interesse aber gilt Deutschland. Seit 2003 ist Lomonossow auch mit Oberursel (Taunus) bei Frankfurt verschwistert. Viele Bürger lernen Deutsch. An der Schule ist Deutsch nach Englisch die wichtigste Fremdsprache.